Fledermäuse in der Ortenau

(Inhalte im Aufbau 4.6.2019)

Als kleine Einführung ein schönes Gedicht von Joachim Ringelnatz: "Kniehang"

 

Ich wollte, ich wär eine Fledermaus,

Eine ganz verluschte, verlauste,

Dann hing ich mich früh in ein Warenhaus

Und flederte nachts und mauste,

Daß es Herrn Silberstein grauste.

Denn Meterflaus, Fliedermus, Fledermaus —

(Es geht nicht mehr; mein Verstand läuft aus.)

Email bei Fragen oder Problemen: pipistrellus[AT]posteo.de

Siehe auch weiterführende Links unten, vor allem die Nottelefone in dringenden Fällen.

Gleich vorab: Es gibt keine Blut saugenden Fledermäuse in Europa. In Südamerika existieren wenige Arten, die sich nachts an schlafendes Vieh auf der Weide heranschleichen (wohl gemerkt zu Fuß) und diesen etwas Blut abzapfen. Die schlafenden Tiere bemerkten diesen nächtlichen Überfall in der Regel nicht.

 

Anstatt diese äußerst nützlichen Insektenvertilger aufgrund irrationaler Geschichten und Gerüchte zu verdammen, sollten wir uns an ihnen erfreuen und ihnen ein Zuhause geben. Und nein, Fledermäuse fliegen einem nicht absichtlich in die Haare. Alle Fledermausarten in Deutschland sind vom Aussterben bedroht. Es liegt an uns, für ihren Erhalt etwas zu unternehmen. Diese Seite soll etwas dazu beitragen.

 

Hier einige der wesentlichen Gründe, weshalb Fledermäuse bei uns bedroht sind:

  • Rückgang der Nahrungsgrundlage: Es gibt immer weniger Insekten durch Einsatz von Insektiziden, Pestiziden und Monokulturen in Landwirtschaft und Privatgärten. Aber auch die zunehmende Flächenversiegelung spielt eine Rolle. Hierzu zählen nicht nur Logistikzentren und Straßenbau, sondern jegliche (auch private) Umwandlung von Grünflächen in Steinwüsten, Parkplätze etc. Der NABU gibt viele Tipps, wie Sie einen naturnahen Garten gestalten können.
  • Alte Häuser werden abgerissen. Neue Häuser und renovierte Häuser bieten durch die (durchaus notwendige) Dämmung kaum noch Tagesquartiere oder gar Winterquartiere. Bitte bringen Sie künstliche Quartiere an (Hohlziegel, Flach und Rundkästen, etc.). Gerne helfen wir Ihnen bei Fragen. Die AGF gibt weitere Tipps.
  • Nicht Windkraftanlagen sind die größte Gefahr für Fledermäuse, sondern der ganz normale Straßenverkehr.
  • Zu wenig Artenreichtum in den Wäldern, kaum Totholz.

Bechsteinfledermaus mit leicht angelegten Ohren. (Photo: Kauber)

 

Tauperlen im Fell einer Fledermaus im Winterschlaf. Die Tiere haben ihren Stoffwechsel so stark reduziert, dass sie nur noch wenige Atemzüge pro Minute benötigen. Sie "schlafen". Um aufzuwachen müssen sie ihre Herzfrequenz wieder auf "normales" Niveau anheben. Dies bedeutet einen enormen Energiebedarf aus Fettreserven, die sie sich vor dem Winter angefressen haben müssen. Bei jedem Aufwachen verringert sich diese Fettreserve. Wachen sie im Winter zu häufig auf (z.B. durch Störungen), kann es sein, dass sie im Frühjahr nicht mehr genug Kräfte haben und verhungern. (Photo: Kauber)

Wochenstube (Weibchen mit Jungtieren) in einem Fledermaus-Rundkasten (Juni/Juli). Für Wochenstuben sollte man drei oder vier Fledermaus-Rundkästen in unmittelbarer Nähe zueinander aufhängen. Ist ein Kasten verkotet, ziehen sie in den nächsten um. (Photo: Kauber)

Typischer Rundkasten für Fledermäuse (meist Wochenstuben). Neben diesen Kästen gibt es auch noch sog. Flachkästen. In diesen verbringen meist Einzeltiere (oft Männchen) den Tag.

Wochenstube großer Mausohren in einem Dachstuhl. Je nach Anzahl der Tiere können größere Kotmengen anfallen. Es ist jedoch streng verboten die Quartiere zu zerstören. Kot kann einmal im Jahr entfernt und als sehr guter Blumendünger verwendet werden. Bitte melden Sie uns diese Quartiere. Wir stehen Ihnen mit Rat UND Tat zur Seite. (Photo: Kauber)

Winterquartiere wie Höhlen, Stollen und alte Bunker müssen über die kalten Monate häufig mit schweren Eisentoren gesichert werden, da die winterschlafenden Tiere sonst gestört werden könnten. Diese Quartiere bieten den Vorteil, dass über den Winter eine konstante Temperatur von etwa 8 Grad herrscht. Dazu kommt eine recht hohe Luftfeuchtigkeit. Fledermäuse hängen oft frei an der Decke, Besucher mit Fackeln können für sie eine tödliche Gefahr darstellen (Rauchentwicklung, Hitze). Aber auch Lärm reicht oft schon aus, die Tiere zu wecken. Je häufiger eine Fledermaus aus dem Winterschlaf aufwachen "muss", desto weniger Energiereserven hat sie im Frühjahr zur Verfügung. Wenn sie Glück haben, werden sie in Pflege gegeben. Häufig sterben sie jedoch an Entkräftung. Diese Maßnahmen sind also keine Willkür, sondern dringend notwendig. Besucher werden um Verständnis gebeten. (Photo: Kauber)

Weiterführende Links:

 

 

Nottelefone in Baden-Württemberg (Quelle AGF)

            

             Zentrales Nottelefon 0179.4972995

  • für den Bezirk Karlsruhe Tel.:(06221) 182631
    für den Bezirk Freiburg Tel.: (07822) 7808313
    für den Bezirk Stuttgart Tel.: (0711) 506 28 664
    für den Bezirk Bodensee Tel.: (0151) 20627172
    für den Bezirk Oberschwaben Tel.: (07503) 739
    für den Bezirk Schwäbische Alb Tel.: (07124) 4225

 

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